Autofreie Mustersiedlung, 12/1999

Projektarchitekten:

Cornelia Schindler&Rudolf Szedenik

Verfahren:

Bauträgerwettbewerb

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Die Autofreiheit

Die Mieter der autofreien Mustersiedlung verpflichten sich, auf den Besitz und die Nutzung (z.B. Firmenauto) eines Autos zu verzichten.

Mehrwert durch Autofreiheit

Üblicherweise besteht im Wohnungsneubau die Verpflichtung einen Garagenstellplatz für jede Wohnung zu errichten. In diesem Projekt müssen Stellplätze nur im Verhältnis 1:10 errichtet werden (als Car-Sharing Station verwendet).
Die dadurch frei werdenden Mittel werden verwendet, um Gemeinschaftseinrichtungen und einen großzügig gestalteten Grünraum zu ermöglichen. Dieser Mehrwert soll den Verzicht auf das Auto erleichtern.

Gemeinschaftseinrichtungen

Internetcafe · Büro/Car-Sharing · Büro/Selbstverwaltung · Fahrradwerkstatt · Einkaufszentrale · Tauschbörse · Tageselternzentrum · Waschsalon · Aneignungsräume · Jugendraum · Kinderhaus · Partyhaus · Saunahaus

Mitbestimmung

Der Grundgedanke zum Thema war, Mitbestimmung den "normalen" Wohnungssuchenden zu ermöglichen. D.h. Menschen, deren vordringliches Anliegen ist, möglichst rasch und möglichst kostengünstig zu einer Wohnung zu kommen, trotzdem die Möglichkeit - nicht aber den Zwang - zu geben, sich an einem oder mehreren Partizipationsprozessen zu beteiligen. Es musste daher eine Mitbestimmungsstruktur gefunden werden, die einerseits Mitbestimmung ermöglicht, andererseits aber auch ohne diese zu einem Projekt führt und einen zügigen Planungs- und Bauablauf sichert. Das Projekt "Autofreie Mustersiedlung" sollte im gleichen Zeitrahmen geplant und erreichtet werden wie jede übliche Siedlung. Die Interessenten sollten die Möglichkeiten erhalten ohne langwierige gruppendynamische Prozesse in straff strukturierten Abläufen mitzuentscheiden. Die Mitbestimmung erstreckte sich über die Bereiche Wohnung, Gemeinschaftsräume und Grünraum.

Architektur und Städtebau

Situierung der Baukörper

Die Baukörper bilden zwei Höfe, die sich zu einem Platz, dem Siedlungszentrum, hin öffnen.
Der Platz ist zur Erreichung besserer Belichtungsmöglichkeiten für Kellerräume um ein Geschoß abgesenkt. Um ihn herum sind die sozialen Einrichtungen, teilweise zweigeschossig, angeordnet.

Gebäude

Es sind zwei typologisch unterschiedliche Gebäude geplant. Ein südorientierter Typ mit offenem Laubengang und ein ost-westorientierter Typ mit innenliegender Erschließung.
Der Gebäudeerschließung kommt hinsichtlich ihrer Kommunikationstauglichkeit große Bedeutung zu. Der offene Laubengang ist so dimensioniert, daß ihn die Mieter nutzen können (zum Sitzen, Plaudern, Spielen, Pflanztröge aufstellen, etc.).
In Gebäuden mit Innenerschließung weist diese eine platzartige Erweiterung auf, die je nach Bedürfnis der Mieter nutzbar ist.

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Grünraumkonzept

Die Bewohnbarkeit der Außenräume steht im Mittelpunkt der Planung. Dies bedeutet unter anderem in Kreisläufen zu denken: z.B. Schaffung eines Teiches und Sickermulden am Gelände für die Entsorgung der Tagwasser am eigenen Grund, Einrichtung einer Kompostanlage, Verwendung von Recyclingmaterialien im Wegebau und bei der Dachbegrünung, Ermöglichung ökologischer Nischen in den Heckenbereichen an den Grundstücksgrenzen.
Auch die Dächer werden, soweit sie nicht für Sonnenkollektoren genutzt werden, begrünt.
· Das Kinderdach zum Spielen, Aufgaben machen und Beete pflegen
· Die Grillterrasse für Familienfeiern
· Das Saunadach mit Liegewiese und Sichtschutzbepflanzung
· Zwei Dächer für die Gemüse- und Kräuterplantage in Hügelkultur

Projektdaten

Projektadresse:

A-1210 Wien, Nordmanngasse 25-27

Bauträger:

Domizil Bauträger GmbH und Gewog Gemeinn. Wohn- u. SiedlungsgmbH

Planung:

Cornelia Schindler und Rudolf Szedenik

Mitarbeiter:

Ingeborg Heim, Eberhard Klein, Angela Knöbl, Ursula Schönherr

Grünraumplanung:

Auböck & Karas

Planungsbeginn:

Oktober 1996

Baubeginn:

Jänner 1998

Fertigstellung:

Dezember 1999

Weiterführende Informationen
PROJEKTINFORMATION: "Autofreie Mustersiedlung"
Publikationen
Verzicht auf die eigenen vier Räder, ...
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